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Baunscheidtieren – Fakten zur Akupunktur des Westens, einem fast vergessenen Heilverfahren

Baunscheidtieren – Fakten zur Akupunktur des Westens, einem fast vergessenen Heilverfahren

Als Baunscheidtieren wird eine nach dem Erfinder Carl Baunscheidt (1809-1873) benannte alternative Behandlungsmethode bezeichnet. Die Basis der als „Akupunktur des Westens“ bekannten Therapie ist eine flächenhafte Reizung der Haut. Wie verläuft die Behandlung? Bei welchen Beschwerden wird sie eingesetzt? Welche Nebenwirkungen sind möglich? Kann man das Verfahren zu Hause selbst durchführen? Wir haben die wichtigsten Fakten über die fast vergessene Heilmethode zusammengestellt.

Wer war Carl Baunscheidt?

Carl Friedrich Baunscheidt lebte von 1809 bis 1873. Der Gewerbelehrer, Stellmacher und Mechaniker war ein bekannter Erfinder seiner Zeit. Er erfand Pflanzgeräte für den Ackerbau und gilt als Erfinder der Muttermilchpumpe. Baunscheidt schuf einen künstlichen Blutegel und entwickelte darauf aufbauend ein Nadelstichgerät. Dieses erlangte unter der Bezeichnung „Lebenswecker“ in der Naturheilkunde grosse Bedeutung. Es bildet die Basis des als „Baunscheidtieren“ benannten Heilverfahrens. Carl Baunscheidt litt an Gicht. Überlieferungen zufolge spürte er nach Mückenstichen eine Verringerung der Gichtschmerzen in den Händen. Diese Erfahrung war der Ausgangspunkt für seine Idee, künstliche „Mückenstiche“ zu erzeugen und damit die Gichtschmerzen zu lindern.

Wie verläuft die Behandlung nach Baunscheidt?

Das Baunscheidtieren stellt eine flächenhaft wirkende Hautreizung dar. Die Therapie erfolgt mit einem Stichel, dem sogenannten „Lebenswecker“. Dieses von Baunscheidt entwickelte Instrument besteht aus einer mit 25 bis 30 feinen Nadeln versehenen, etwa münzgrossen Scheibe. Alternativ wird eine mit Nadeln bestückte Walze verwendet. Der Ablauf der Behandlung:

  1. Die Haut wird zunächst desinfiziert und rasiert.
  2. Mit dem Nadelkopf wird die Haut rund um die Gelenke oder entlang der Meridiane gestichelt. Die Nadeln werden per Hand oder mit einer Feder etwas herausgedrückt und dringen etwa einen Millimeter tief in die Haut ein. Bei dieser Tiefe tritt noch kein Blut aus. Beim Rollen mit der nadelbesetzten Walze tritt der gleiche Effekt ein. Häufig erfolgt die Reizung am Rücken, beidseitig entlang der Wirbelsäule, auf den Oberarmen und im Bereich der Schultern.
  3. Nach dieser Behandlung wird ein spezielles Öl auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Baunscheidt sah in dem Öl einen Ersatz für das Mückengift. Als Baunscheidt-Öl wird Senföl, Nelkenöl oder Wacholderöl verwendet.
  4. Die Öle erhöhen die reizende Wirkung. Rötungen und Quaddeln entstehen. Die Haut erwärmt sich.
  5. Die Reizung der oberen Hautschichten regt die Durchblutung an. Dadurch sollen die mit den gereizten Arealen in Verbindung stehenden Organe stimuliert und zur Selbstheilung angeregt werden.

Die Therapie wird innerhalb von vier bis sechs Monaten mehrmals wiederholt. Es muss darauf geachtet werden, dass die Haut vollständig abgeheilt ist. Nur auf völlig unversehrter Haut darf das Verfahren zum Einsatz kommen.

Welche Nebenwirkungen der Baunscheidttherapie sind bekannt?

  • Narbenbildung: In den meisten Fällen entstehen durch die Nadelbehandlung keine Narben, dennoch ist eine Narbenbildung nicht vollständig auszuschliessen.
  • Schmerzen und Fieber: Die Baunscheidttherapie ist nicht schmerzfrei. In Ausnahmefällen kann sich Fieber entwickeln.
  • Infektionen: Vor der Anwendung der Baunscheidttherapie ist eine sorgfältige Desinfektion der Haut unabdingbar. Ohne diese Desinfektion können gefährliche Infektionen entstehen.
  • Hautausschlag und allergische Reaktionen: Mögliche Nebenwirkungen des Baunscheidtierens sind allergische Reaktionen auf die verwendeten Öle. Empfindliche Patienten reagieren mit Hautausschlag, Pustelbildung, Rötung und Juckreiz.

Übrigens: Früher kam im Baunscheidtverfahren Crotonöl zur Anwendung. Dieses aus dem asiatischen Wolfsmilchgewächs Croton tiglium gewonnene Öl wurde im Tierversuch als krebserregend bewertet. Die Verwendung von Croton-Öl ist Heilpraktikern seitdem verboten.

Welche Erkrankungen werden in der Naturheilkunde mit dem Baunscheidtverfahren behandelt?

Heilpraktiker nutzen das Baunscheidtverfahren hauptsächlich zur Schmerztherapie. Die wichtigsten Anwendungsgebiete in der Naturheilkunde sind:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Bandscheibenvorfall, chronische Rückenschmerzen, Arthrose, Beweglichkeitseinschränkungen)
  • Neurologische Erkrankungen (Migräne, Cluster-Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Trigeminusneuralgie)
  • Chronische Entzündungen (Gicht, Rheuma)
  • Psychische Erkrankungen (Depressionen und Melancholie, Wechseljahresbeschwerden, Tinnitus)

Wichtig ist, dass das Baunscheidtverfahren nicht angewendet werden darf

  • auf Muttermalen
  • auf Narben
  • direkt über der Wirbelsäule oder einem Knochen
  • bei akuten Erkrankungen der Haut
  • bei Autoimmunerkrankungen
  • bei Fieber
  • bei Kindern unter zehn Jahren

Wie wird die medizinische Wirksamkeit des Baunscheidtverfahrens bewertet?

Es gibt keinen Beweis einer fördernden Wirkung auf die Gesundheit. Das zugrunde liegende Mediansystem im Körper konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Ebenso wie bei der Akupunktur konnte jedoch gezeigt werden, dass gezielt erzeugte, leichte Schmerzen chronische Schmerzen lindern können. Die etwas schmerzhafte Stimulation führt zur Ausschüttung von Glückshormonen und schmerzhemmenden Substanzen. Eine positive Beeinflussung des Immunsystems durch die Behandlung nach Baunscheidt ist wissenschaftlich allerdings nicht bewiesen. Sie kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das Baunscheidtverfahren zählt zu den ab- und ausleitenden Therapien. In der modernen Medizin glaubt jedoch niemand mehr an die reinigende Wirkung der Behandlung und die Ausscheidung von Krankheits- und Giftstoffen. Nachgewiesen ist jedoch der Einfluss des Stichelns auf den Lymphfluss und die Durchblutung. Auch ein Einfluss auf innere Organe durch die Anregung des Immunsystems ist nicht auszuschliessen.

Lässt sich die Baunscheidttherapie mit Schröpfen, Akupunktur oder anderen Heilverfahren kombinieren?

Das Baunscheidtverfahren beruht ebenso wie die Akupunktur und das Schröpfen auf der Annahme, dass über die Reflexzonen ein Einfluss auf die Organe erfolgen kann. Die Heilverfahren werden häufig in Kombination angewendet. Dadurch verstärken sich die Effekte, sie addieren oder potenzieren sich. Oft erfolgt das Baunscheidtieren in Verbindung mit Massagen oder Osteopathie. Die Kombination kann vor allem bei chronischen Schmerzzuständen zu einer deutlichen Verbesserung beitragen. Achtung: Naturheilverfahren können zwar eine Linderung von Beschwerden bewirken. Sie ersetzen jedoch nicht die Behandlung beim Arzt!

Kann die Therapie nach Baunscheidt zu Hause selbst durchgeführt werden?

Die Geräte zur Durchführung des Baunscheidtverfahrens und entsprechende Anleitungen sind im Internet frei verkäuflich. Von einer Selbsttherapie raten wir dennoch ab. Aus unserer Sicht sind eine professionelle Ausbildung und umfassende Erfahrungen Voraussetzung für die richtige Anwendung des Stichlers. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist gross. Wenn die Nadelstiche zu tief ausgeführt werden, können dauerhafte Narben und Verletzungen entstehen. Bei allergischen Reaktionen auf das verwendete Öl kann ein erfahrener Heilpraktiker sofort Hilfe leisten und Gegenmassnahmen ergreifen. Allein zu Hause im Selbstversuch ist das nicht immer möglich. Die Bewertung des Behandlungserfolgs setzt medizinisches Wissen voraus. Wir raten dazu, die Behandlung zunächst in einer Naturheilpraxis durchführen zu lassen. Wenn du danach eine Selbstbehandlung in Erwägung ziehst, solltest du dich umfassend informieren.

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