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Carl Friedrich Baunscheidt lebte von 1809 bis 1873. Der Gewerbelehrer, Stellmacher und Mechaniker war ein bekannter Erfinder seiner Zeit. Er erfand Pflanzgeräte für den Ackerbau und gilt als Erfinder der Muttermilchpumpe. Baunscheidt schuf einen künstlichen Blutegel und entwickelte darauf aufbauend ein Nadelstichgerät. Dieses erlangte unter der Bezeichnung „Lebenswecker“ in der Naturheilkunde grosse Bedeutung. Es bildet die Basis des als „Baunscheidtieren“ benannten Heilverfahrens. Carl Baunscheidt litt an Gicht. Überlieferungen zufolge spürte er nach Mückenstichen eine Verringerung der Gichtschmerzen in den Händen. Diese Erfahrung war der Ausgangspunkt für seine Idee, künstliche „Mückenstiche“ zu erzeugen und damit die Gichtschmerzen zu lindern.
Das Baunscheidtieren stellt eine flächenhaft wirkende Hautreizung dar. Die Therapie erfolgt mit einem Stichel, dem sogenannten „Lebenswecker“. Dieses von Baunscheidt entwickelte Instrument besteht aus einer mit 25 bis 30 feinen Nadeln versehenen, etwa münzgrossen Scheibe. Alternativ wird eine mit Nadeln bestückte Walze verwendet. Der Ablauf der Behandlung:
Die Therapie wird innerhalb von vier bis sechs Monaten mehrmals wiederholt. Es muss darauf geachtet werden, dass die Haut vollständig abgeheilt ist. Nur auf völlig unversehrter Haut darf das Verfahren zum Einsatz kommen.
Übrigens: Früher kam im Baunscheidtverfahren Crotonöl zur Anwendung. Dieses aus dem asiatischen Wolfsmilchgewächs Croton tiglium gewonnene Öl wurde im Tierversuch als krebserregend bewertet. Die Verwendung von Croton-Öl ist Heilpraktikern seitdem verboten.
Heilpraktiker nutzen das Baunscheidtverfahren hauptsächlich zur Schmerztherapie. Die wichtigsten Anwendungsgebiete in der Naturheilkunde sind:
Wichtig ist, dass das Baunscheidtverfahren nicht angewendet werden darf
Es gibt keinen Beweis einer fördernden Wirkung auf die Gesundheit. Das zugrunde liegende Mediansystem im Körper konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Ebenso wie bei der Akupunktur konnte jedoch gezeigt werden, dass gezielt erzeugte, leichte Schmerzen chronische Schmerzen lindern können. Die etwas schmerzhafte Stimulation führt zur Ausschüttung von Glückshormonen und schmerzhemmenden Substanzen. Eine positive Beeinflussung des Immunsystems durch die Behandlung nach Baunscheidt ist wissenschaftlich allerdings nicht bewiesen. Sie kann jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das Baunscheidtverfahren zählt zu den ab- und ausleitenden Therapien. In der modernen Medizin glaubt jedoch niemand mehr an die reinigende Wirkung der Behandlung und die Ausscheidung von Krankheits- und Giftstoffen. Nachgewiesen ist jedoch der Einfluss des Stichelns auf den Lymphfluss und die Durchblutung. Auch ein Einfluss auf innere Organe durch die Anregung des Immunsystems ist nicht auszuschliessen.
Das Baunscheidtverfahren beruht ebenso wie die Akupunktur und das Schröpfen auf der Annahme, dass über die Reflexzonen ein Einfluss auf die Organe erfolgen kann. Die Heilverfahren werden häufig in Kombination angewendet. Dadurch verstärken sich die Effekte, sie addieren oder potenzieren sich. Oft erfolgt das Baunscheidtieren in Verbindung mit Massagen oder Osteopathie. Die Kombination kann vor allem bei chronischen Schmerzzuständen zu einer deutlichen Verbesserung beitragen. Achtung: Naturheilverfahren können zwar eine Linderung von Beschwerden bewirken. Sie ersetzen jedoch nicht die Behandlung beim Arzt!
Die Geräte zur Durchführung des Baunscheidtverfahrens und entsprechende Anleitungen sind im Internet frei verkäuflich. Von einer Selbsttherapie raten wir dennoch ab. Aus unserer Sicht sind eine professionelle Ausbildung und umfassende Erfahrungen Voraussetzung für die richtige Anwendung des Stichlers. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist gross. Wenn die Nadelstiche zu tief ausgeführt werden, können dauerhafte Narben und Verletzungen entstehen. Bei allergischen Reaktionen auf das verwendete Öl kann ein erfahrener Heilpraktiker sofort Hilfe leisten und Gegenmassnahmen ergreifen. Allein zu Hause im Selbstversuch ist das nicht immer möglich. Die Bewertung des Behandlungserfolgs setzt medizinisches Wissen voraus. Wir raten dazu, die Behandlung zunächst in einer Naturheilpraxis durchführen zu lassen. Wenn du danach eine Selbstbehandlung in Erwägung ziehst, solltest du dich umfassend informieren.
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